„Ihr quält mich“ schreit er aus vollem Hals

Posted in Daniel on August 6th, 2009 by vermisst

…ich steh in einem Flur. Der Boden ist warm, als ich weitergehe. Die Umgebung kommt mir bekannt vor. Sehr bekannt. Die Angelfotos mit den Fischen an der Wand, der Rubiks Würfel auf dem Regal und die sehr niedrige Decke…ich bin mir sicher, das ich schon mal hier war. Aus dem Wohnzimmer kommen Stimmen. Auf der Couch sitzt meine Oma. Sie schüttelt den Kopf als ich reinkomm. Hab ich irgendwas gemacht? Meine Mutter kommt aus dem Kinderzimmer. Ein Telefon steht auf dem Tisch vor meiner Oma. Ein altes, mit einer Wählscheibe. Meine Oma schüttelt den Kopf. Immer wieder. Sie reibt sich die Hände. Ich glaube sie wartet, dass es klingelt. Als meine Mutter mich sieht, zwingt sie sich zu lächeln und packt mich. Sie will nicht, das ich weiterginge. Meine Oma beginnt laut zu sprechen. Ich merke, dass da noch eine Stimme ist. Aus dem Schlafzimmer. Meine Mutter hält mich fest, drückt mich und presst ihre Hände auf meine Ohren. Sie will nicht, dass ich die Stimme höre. Ich kenne die Sprache nicht. Sie klingt komisch. Meine Oma kann sie auch sprechen. Ich geh weiter. Das Schlafzimmer ist klein und es riecht komisch. ES sitzt nackt in der Ecke und zeigt mir seinen Arm, schreit und hält etwas in der Hand umklammert. Etwas blaues und grosses. Ich hab den Behälter schon mal im Auto gesehen. Die Flüssigkeit stinkt. Sie ist überall auf der Bettdecke und ich blicke in sein Gesicht, als meine Mutter mich packt. Er schreit aus vollem Hals. Er schreit. Ihr quält mich, schreit mein Vater…

Auszug aus der Kurzgeschichte „Der Flur“ von Benno Klein

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Werner hat gestern ne ziemlich gruselige Story ausgepackt

Posted in Daniel on Juli 31st, 2009 by vermisst

Hinten im Paketlager arbeiten immer zwei Leute. Sie nehmen die Kartons vom Band, stapeln sie auf eine Pallette und fahren sie mit einem Hubwagen in das riesige Lager. Wenn nicht grade alle Maschinen vollgas laufen, dann spuckt das Band nicht so viele Pakete auf einmal aus und es ist ein Easy-Job. Meistens kommt dann einer allein klar. Die elektrischen Hubwagen machen Spass. Keine Ahnung ob ihr schon mal einen gesehen habt. Mann kann sich auf den Motoraufbau setzen und dann damit rumfahren. Ab und zu nehmen wir die Teile und heizen gegeneinander durch die riesige Lagerhalle. Da würde ein ganzes Wohnhaus reinpassen. Die Regale sind locker 15 Meter hoch und sehen aus wie Wände aus Kartons, in denen die fertigen Verpackungen drin sind. Gestern Abend hatte ich im Paketlager Schicht. Pierre, auch eine Aushilfe, und ich haben uns am Band abgewechselt. Eine der Hallen steht leer und ich bin grade durchgefahren, als mir was aufgefallen ist. Ganz hinten am anderen Ende der Halle hab ich jemanden stehen sehen. Ich bin im ersten Moment ziemlich erschrocken, weil in der Halle normalerweise niemand ist . Und in der kleineren schon gar nicht, weil dort grade umgebaut wird. Als der Typ gesehen hat, dass ich ihn bemerkt hab, hat er kurz den Arm gehoben und sich dann umgedreht. Ich bin in seine Richtung gefahren und wollte ne Runde drehen. Hab ihn dann aber nicht mehr gesehen. Später hat mich Werner, ein Kollege von meinem Vater mit nach Hause genommen. Ich hab ihm

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Bennos Vater ist früher auch mal verschwunden

Posted in Daniel on Juli 15th, 2009 by vermisst

Ich hab gestern Bennos Mutter Anita besucht, weil ich ihr ein paar Bilder zrückgebracht hab, die ich für den Blog verwenden will. Vor kurzem hab ich ihr mal von dem Video auf meinem Handy erzählt. Sie hat vorher nie danach gefragt, aber heute Nachmittag wollte sies unbedingt sehen. Patrick hats am Freitag, einer der letzten Freitag-Abende an denen wir zusammen waren, aufgenommen. Hab ich ja schon mal geschrieben. Wir hatten Streit, Benno steigt aus knallt die Tür zu und geht davon. Stimmungsmässig hatte er sich in letzter Zeit echt n bisschn verändert. Anita sagt, das es an der Gesundheit seines Vaters lag. Sie hatten oft Streit. Rainer, hat sie gesagt, war sehr argwöhnisch und hat seine ganze Paranoia auf Benno gerichtet. Wie schlimms mit Rainers Psyche stand, wussten sie damals einfach noch nicht. Anita geht’s nicht gut. Sie findet mittlerweile, dass Rainer Benno regelrecht rausgedrängt hat. Und dazu kommt, das Bennos Vater selbst schon mal was ähnliches gemacht hat. Als er ein junger Mann war ist er eines Tages nach seiner Ausbildung einfach für zwei Jahre verschwunden. Sie hat es Benno nie erzählt. Zuerst hat sie mit ihm Schluss gemacht, aber als er wieder da war hat sie sich wieder in ihn verliebt und sie haben geheiratet. Warum er damals abgehauen ist, hat er ihr nie genau gesagt, aber sie vermutet, dass es ein erster Schub „Paranoia“ war. Und sie hat Angst, dass es bei Benno genau das sein könnte. Inzwischen hat sie alle Musikmagazine in Bennos Zimmer gelesen und rausgefunden, das er gern die Musik von einem Typen namens Daniel Johnston gehört hat. Ein Schizophrener Folk-Musiker aus Amerika. Sie hat Angst, das Benno denkt, das er verrückt ist und wirklich nicht gesund. Ich hab ihr gesagt, das ich das für totalen Schwachsinn halt. Über Benno kann man viel sagen, aber so ist er einfach nicht drauf. Er konnte immer gut erklären, was bei ihm zuhause grade los ist, aber er hat das nicht so nah an sich rangelassen. Nein, wenn dann ist das irgendwas anderes. Irgendein Grund, den ich noch nicht checke, aber Benno ist der klarste Kopf den ich kenn. Ich hoff ich konnt sie damit ein bisschen beruhigen, aber wie gesagt, es geht ihr grade echt nicht gut.

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