„Ihr quält mich“ schreit er aus vollem Hals
Posted in Daniel on August 6th, 2009 by vermisst…ich steh in einem Flur. Der Boden ist warm, als ich weitergehe. Die Umgebung kommt mir bekannt vor. Sehr bekannt. Die Angelfotos mit den Fischen an der Wand, der Rubiks Würfel auf dem Regal und die sehr niedrige Decke…ich bin mir sicher, das ich schon mal hier war. Aus dem Wohnzimmer kommen Stimmen. Auf der Couch sitzt meine Oma. Sie schüttelt den Kopf als ich reinkomm. Hab ich irgendwas gemacht? Meine Mutter kommt aus dem Kinderzimmer. Ein Telefon steht auf dem Tisch vor meiner Oma. Ein altes, mit einer Wählscheibe. Meine Oma schüttelt den Kopf. Immer wieder. Sie reibt sich die Hände. Ich glaube sie wartet, dass es klingelt. Als meine Mutter mich sieht, zwingt sie sich zu lächeln und packt mich. Sie will nicht, das ich weiterginge. Meine Oma beginnt laut zu sprechen. Ich merke, dass da noch eine Stimme ist. Aus dem Schlafzimmer. Meine Mutter hält mich fest, drückt mich und presst ihre Hände auf meine Ohren. Sie will nicht, dass ich die Stimme höre. Ich kenne die Sprache nicht. Sie klingt komisch. Meine Oma kann sie auch sprechen. Ich geh weiter. Das Schlafzimmer ist klein und es riecht komisch. ES sitzt nackt in der Ecke und zeigt mir seinen Arm, schreit und hält etwas in der Hand umklammert. Etwas blaues und grosses. Ich hab den Behälter schon mal im Auto gesehen. Die Flüssigkeit stinkt. Sie ist überall auf der Bettdecke und ich blicke in sein Gesicht, als meine Mutter mich packt. Er schreit aus vollem Hals. Er schreit. Ihr quält mich, schreit mein Vater…
Auszug aus der Kurzgeschichte „Der Flur“ von Benno Klein





