So, das war meine erste Spätschicht in der Karton-Fabrik. Und was für eine. Hat sich ganz schön gezogen. Die Fabrik liegt in einem Industriegebiet. Normalerweise ist da immer ziemlich Verkehr. Aber Abends wird’s sehr still dort. Der Aufenthaltsraum im Betrieb wurde grade renoviert und liegt im ersten Stock. In der Pause war ich zuerst alleine, bis Giovanni gekommen ist. Ein Italiener, der hier fest arbeitet. Ich schätz ihn so auf Mitte 20. Er hat mir gleich am ersten Tag freundlich zugenickt. Er kann gut kochen und bringt sich immer viele Boxen mit selbstgemachtem mit. Wir haben geredet und er hat gesagt, dass ihn die Spätschichten nicht stören, weil er nicht schläft. Ich hab nicht kapiert was er meint. Er muss nicht schlafen, sagt er. Irgendwann hätte er gemerkt, dass er nicht müde wird. Den Quatsch hab ich ihm natürlich nicht geglaubt. Ich hab gedacht er will mich verarschen und macht das mit jedem Neuen. Die Unterhaltung wurde immer seltsamer. Er wollte unbedingt das letzte Wort haben. Während er sich Gabel um Gabel mit seinen dicken Fingern durch seine Nudeln Bolognese gräbt, schüttelt er plötzlich den Kopf und lacht mich aus. Kurz darauf hat er in aller Ruhe den letzten Happen in den Mund gesteckt, die Tupperware verschlossen und ist gegangen. Was fürn Freak, ich sags euch.