Im Wellness-Hotel die Zeche geprellt

Posted in Daniel on Juli 22nd, 2009 by vermisst

Ich war heute zum ersten Mal in der Karton-Fabrik. Ist Scheisslaut dort. Als würde man sich über Kopfhörer acht Stunden eine Baustelle anhören. Ich arbeite im stehen und lege stapelweise vorgefaltete Kartons in eine Maschine, die daraus Verpackungen für Cornflakes macht, die dann auf ein Band laufen und dort von Hand sortiert werden. Ab und zu verkeilt sich ein Karton in der Maschine und der Druck zerfetzt die Verpackungen. Dann muss ich den roten Knopf an der Maschine drücken und kann kurz Pause machen. Es gibt in der Halle einen kleinen Raum mit nem Cola-Automaten. Hänsel ist oft dort und raucht seine „Nuttenstengel“. Ihr erinnert euch. Der Kollege von meinem Vater, der mal Schliesser im Jugendknast war. Seine Tochter hat vor ein paar Wochen auch hier gearbeitet, hat er mir erzählt. Sie hat grade Abitur gemacht und will jetzt Maschinenbau oder sowas studieren. Von seinem Sohn hat er nichts erzählt, aber ich weiss von meinem Vater, dass er vor ein paar Monaten mit seiner Freundin Urlaub in einem Wellhotel gemacht hat, volles Programm und dann ohne zu bezahlen abhauen wollte. Aber das Hotel hat natürlich beim einchecken die Nummer seines Personalausweises aufgeschrieben. War nicht so clever. Das hat Hänsel mitgenommen.

Im Moment kommen jeden Tag neue Aushilfen dazu. Heute zum Beispiel Madi, ein indonesischer Austauschstudent. Ich hab auch jemanden getroffen, den ich kenne. Titus, mit dem ich mal vier Monate Fussball gespielt hab als ich klein war und mein Vater mir unbedingt den Spass am Spiel beibringen wollte. Hat nicht funktioniert. Jetzt spielt Titus Basketball und in einer Band. Scheint ganz in OK zu sein.

Patrick war gestern bei mir und war immer noch ziemlich geschockt wegen Rainer, Bennos Vater. Benno hat wahrscheinlich keine Ahnung was er seinen Eltern grade antut. Ich hab ihm von dem komischen Satz erzählt, denn Bennos Vater auf dem Weg ins Krankenhaus dauernd wiederholt hat. Aber ich hab gemerkt, dass er nicht mehr richtig zuhört. Er will sich mit sowas nicht beschäftigen. Er hat mich eingeladen. Seine Oma ist für ein paar Tage weg. Ich soll vorbeikommen. Ich soll das Handy-Video mitbringen. Dann können wirs bei ihm online stellen, hat er gesagt. Hat mich überrascht.

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