Der Tower ist sehr gemütlich. Offenbar hat Benno den Leuten hier ziemlich Eindruck gemacht.

Posted in Daniel on September 19th, 2009 by vermisst

Die Versammlung fand im Keller statt. Alle waren da. So um die 20 Leute. Fast alles Jugendliche zwischen 15 und 18. Scarlett hat mich runtergeführt. Die Jungs haben eine Bar in den Keller gebaut und in der Ecke gibt es einen Kickertisch. Ein sauberer, dicker roter Teppich liegt auf dem Boden. Man hört seine Schritte kaum und wenn man nur auf den Boden kuckt, könnte man denken, man sei in irgendeiner Villa. Ich muss wirklich sagen, alles im „Tower“ ist sehr gemütlich. Die älteren Jungs hatten das Wort. Einer heisst Toni, der andere Kralle, Toni ist Halbitaliener und müsste so Mitte 20 sein. Sie haben die Verantwortung für den Tower, das haben sie mit der Verwaltung so ausgehandelt. Toni trägt sportliche Klamotten und ist sehr gepflegt, er sieht gar nicht aus als bräuchte er einen Ort, an dem er Unterschlupf suchen muss. Bei Kralle hat man schon ehr das Gefühl. Er sieht aus wie das klassische Strassenkind, aber er hat ein nettes Gesicht und war gleich sehr freundlich zu mir. Toni ist auch okay, aber ich merke, dass er mir irgendwie nicht über den Weg traut. Er denkt, dass ich aus einem reichen Elternhaus komm oder so und jetzt Strassenkind spielen will. RiffRaff  hat sich gemeldet und mich vorgestellt, erzählt, dass ich Benno kenn, dass ich gekommen bin um ihn zu suchen. Das hat die meisten ziemlich umgehauen. Offenbar hat Benno den Jungs hier ganz schön Eindruck gemacht.

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„Ihr quält mich“ schreit er aus vollem Hals

Posted in Daniel on August 6th, 2009 by vermisst

…ich steh in einem Flur. Der Boden ist warm, als ich weitergehe. Die Umgebung kommt mir bekannt vor. Sehr bekannt. Die Angelfotos mit den Fischen an der Wand, der Rubiks Würfel auf dem Regal und die sehr niedrige Decke…ich bin mir sicher, das ich schon mal hier war. Aus dem Wohnzimmer kommen Stimmen. Auf der Couch sitzt meine Oma. Sie schüttelt den Kopf als ich reinkomm. Hab ich irgendwas gemacht? Meine Mutter kommt aus dem Kinderzimmer. Ein Telefon steht auf dem Tisch vor meiner Oma. Ein altes, mit einer Wählscheibe. Meine Oma schüttelt den Kopf. Immer wieder. Sie reibt sich die Hände. Ich glaube sie wartet, dass es klingelt. Als meine Mutter mich sieht, zwingt sie sich zu lächeln und packt mich. Sie will nicht, das ich weiterginge. Meine Oma beginnt laut zu sprechen. Ich merke, dass da noch eine Stimme ist. Aus dem Schlafzimmer. Meine Mutter hält mich fest, drückt mich und presst ihre Hände auf meine Ohren. Sie will nicht, dass ich die Stimme höre. Ich kenne die Sprache nicht. Sie klingt komisch. Meine Oma kann sie auch sprechen. Ich geh weiter. Das Schlafzimmer ist klein und es riecht komisch. ES sitzt nackt in der Ecke und zeigt mir seinen Arm, schreit und hält etwas in der Hand umklammert. Etwas blaues und grosses. Ich hab den Behälter schon mal im Auto gesehen. Die Flüssigkeit stinkt. Sie ist überall auf der Bettdecke und ich blicke in sein Gesicht, als meine Mutter mich packt. Er schreit aus vollem Hals. Er schreit. Ihr quält mich, schreit mein Vater…

Auszug aus der Kurzgeschichte „Der Flur“ von Benno Klein

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Dietmar wurde tot in seinem Auto auf dem Parkplatz gefunden

Posted in Daniel on August 2nd, 2009 by vermisst

Werner hat mir von einem alten Kollegen erzählt. Sein Name war Dietmar. Werner, mein Vater und er waren eine Clique. Er wars auch der meinem Vater den Job in der Kartonfabrik besorgt hat nach der Sache mit seinem Knie. Werner hat erzählt, das Dietmar saufen konnte wie ein Pferd und ein Pfundskerl war. Während er von ihm gesprochen hat wusste ich auf einmal wen er meinte. Ich hab mich wieder an den Morgen erinnert. Ich war noch ziemlich klein und meine Eltern waren damals noch zusammen. Mein Vater hat mir versprochen an diesem Morgen mit mir Fussball zu spielen als das Telefon geklingelt hat. Ich werd nie sein Gesicht vergessen. Es war als hätte jemand plötzlich allen Sauerstoff aus dem Raum gepumpt. Kurz darauf hat mein Vater aufgelegt und gesagt, dass wir heute nicht Fussball spielen. Ich hab mich aufgeregt weil ers versprochen hat. An diesem Morgen ist Dietmar gestorben. Er ist in seinem Auto gefunden worden auf dem Parkplatz. Seine Augen waren offen. Der Hausmeister hat gedacht, er würde ein Nickerchen machen, weil er zuerst nur die Silhouette im Auto gesehen hat. Das Auto stand ziemlich genau da wo jetzt die neue Halle steht. Werner hat mir ein Foto gezeigt und da wurds mir ziemlich mulmig. Dietmar sieht so aus wie der Mann, den ich in der Halle gesehen hab. Geister, alles klar. Hab ich auch gedacht. Aber das Gesicht, ich schwörs euch. Ich muss mal im Internet recherchieren was es mit so was auf sich hat. Vielleicht ein Omen oder so. Keine Ahnung, aber ich wird da sicher nicht mehr reingehen.

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